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Bedrohte Schönheiten – Orchideen des Saale-Unstrut-Gebietes

Datum: 12. Mai 2016, 19.00 Uhr

Ort: Seminarraum der Klausur am Naumburger Dom

Referent: Torsten Pietsch (Halle)

Orchideen faszinieren mit ihrer Schönheit und ihrem Formen-reichtum mehr Menschen als irgendeine andere Pflanzenfamilie. Die Anzahl der ca. 36 Orchideenarten des Saale-Unstrut-Gebietes lässt das Themenfeld übersichtlich erscheinen. Beschäftigt man sich mit den heimischen Orchideen, von denen viele bedroht sind, fallen dem Betrachter allerdings ständig neue Formen auf, sei es durch die ungeheure Variabilität dieser entwicklungsgeschichtlich jungen Pflanzenfamilie oder dadurch, dass viele Arten zur Bastardbildung neigen. Ihre oft unglaubliche Schönheit, ihren erstaunlichen Blütenaufbau enthüllen Orchideen dem Betrachter erst, wenn dieser sich die Mühe macht, sich „herabzulassen“ und sich mit den faszinierenden Pflanzen auf eine Ebene zu begeben. Der Vortrag möchte diese Ebene mit stimmungsvollen Bildern erschließen.

Torsten Pietsch, Jahrgang 1964, ist Diplom Agrar-Ingenieur aus Halle an der Saale. Er arbeitet als Referent bei der Oberen Naturschutzbehörde im Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalts in Halle und war von 1990 bis 2003 Leiter der Naturschutzstation Unstrut-Triasland mit Sitz in Nebra und Naumburg. Im Saale-Unstrut-Jahrbuch hat er die Naturschutzgebiete der Triaslandschaft vorgestellt sowie Beiträge über die Flora und Fauna der Region veröffentlicht. Als Redaktionsmitglied betreut er die naturkundlichen Beiträge.



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Zur Baugeschichte des romanischen Naumburger Domes

Datum: 14. April 2016, 19.00 Uhr

Ort: Seminarraum der Klausur am Naumburger Dom

Referent: Heiko Brandl (Halle)

Der Naumburger Dom ist eine spätromanische Kathedrale, die einen frühgotischen Westchor und einen hochgotischen Ostchor besitzt. In der Wahrnehmung definiert sich der Dom allerdings über die Hauptwerke des sog. Naumburger Meisters – Westchor, Westlettner und Stifterfiguren. Sie machten Naumburg und seinen Dom weltberühmt. Die Fokussierung auf den Westchor ging freilich einher mit einer weitgehenden Vernachlässigung der übrigen Architektur und Ausstattung des Domes. Seit Jahren bemühen sich die Vereinigten Domstifter über Domführungen und gezielte Forschungen das Ungleichgewicht abzubauen. Ein wichtiger Baustein dieser Bemühungen war die Erarbeitung des Naumburger Dominventars, das eine vollständige wissenschaftliche Erfassung von Architektur und Ausstattung des Domes beinhaltet. Das Forschungsprojekt wurde am Europäischen Romanik Zentrum Merseburg e. V. in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und den Vereinigten Domstiftern von 2011-2015 durchgeführt. Auf den Forschungen der Inventarisierung gründet der Vortrag zur Baugeschichte des spätromanischen Naumburger Domes. Ausgehend vom Vorgängerbau wird der Neubau analysiert, werden Motivationen, Bauabschnitte und Planabläufe beschrieben sowie Planänderungen aufgezeigt und hinterfragt. Der Dom bietet zahlreiche Besonderheiten, Scheitelrippen an den Gewölben, zwei vorbereitete Kreuzgänge und einen Pfeilerwechsel im Langhaus. Öfter schließen Mauern, so etwa in der Vorhalle, nicht im rechten Winkel an. Sämtlich spannende Fragen, die den Architekturhistoriker zur Erklärungen herausfordern.

Dr. Heiko Brandl, Jahrgang 1968, Kunsthistoriker, promovierte mit der Arbeit: „Die Skulpturen des 13. Jahrhunderts im Magdeburger Dom“ (Imhof-Verlag 2009). Von 2005 bis 2010 Mitarbeiter am Forschungsprojekt „Inventarisierung des Magdeburger Domes“ (Schnell & Steiner 2011). Seit 2010 Mitarbeiter am Europäischen Romanik Zentrum Merseburg e.V. im Forschungsprojekt „Inventarisierung des Naumburger Domes“.



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Osterlohs Embryo – Ein Leipziger Lehrmodell zwischen Forschung, Lehre und Ökonomie

Datum: 17. März 2016, 19.00 Uhr

Ort: Seminarraum der Klausur am Naumburger Dom

Referent: Michael Markert (Jena)

Die Modellierung von Organismen und Lebensprozessen war schon lange vor der Einführung des Computers ein wichtiges Instrument biologischer Forschung und Lehre. Gerade in der Frühphase einer Disziplinenentwicklung können beide Anwendungsfelder von Modellen dicht beieinander liegen und sich gegenseitig beeinflussen. Dies soll im Vortrag anhand der komplexen Entstehungsgeschichte eines Lehrmodells zur Embryonalentwicklung aus dem frühen 20. Jahrhundert skizziert werden – dem "Menschlichen Embryo am Ende der vierten Woche" der Firma Osterloh-Modelle.
Das Leipziger Unternehmen produziert seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert und bis heute materielle biologische Lehrmodelle und war im frühen 20. Jahrhundert einer der zentralen Lieferanten für den Schul- und Hochschulunterricht. In vielfacher Hinsicht ragt das Embryomodell aus dem Portfolio von Osterhoh heraus. An ihm lässt sich zeigen, wie sich in einem Objekt historische Akteure – darunter Anatomen wie Wilhelm His und Lehrmittelhersteller wie Osterloh – deren, Forschungs- bzw. Herstellungstechnologien mit den pädagogischen Rahmenbedingungen solcher Unternehmungen verbinden.

Michael Markert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Biologiedidaktik an der Universität Jena und promovierte dort 2012 über die Rolle der Wissenschaftsgeschichte innerhalb der naturwissenschaftlichen Bildung. Als Betreuer einer Sammlung historischer biologischer Lehrmittel analysiert er die Produktions- und Rezeptionsbedingungen insbesondere von Lehrtafeln und -modellen.



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Bemerkungen zu den Altären und Altaraufsätzen des Naumburger Domes

Datum: 18. Februar 2016, 19.00 Uhr

Ort: Seminarraum der Klausur am Naumburger Dom

Referent: Oliver Ritter(Halle)

Wie in vielen anderen mittelalterlichen Kirchen wurden auch im Naumburger Dom die meisten der einstigen Altartische in den Jahrhunderten nach der Reformation abgebrochen, wenngleich sie den Konfessionswechsel selbst zunächst überdauerten. Lediglich in einem Fall ist der Abbruch eines Altaraufsatzes durch den Reformator Nikolaus Medler belegt. Einen größeren Einschnitt bedeutete die Verwüstung und Plünderung der Domkirche während des 30jährigen Krieges durch die Schweden. Die schwedischen Truppen raubten die Leuchter von den Altären und alle Tücher sowie Kelche und Patenen. Schließlich wurden einige Altäre im Rahmen der barocken Umbaumaßnahmen beseitigt. Anhand von Urkunden und anderen Quellen sind viele der abgebrochenen Altäre immerhin namentlich überliefert, ihre einstige Position im Dom oft aber unbekannt. Mindestens genauso problematisch stellt sich die Situation bei den Retabeln, den mitunter kostbaren Altarbildnissen, dar. Viele Stücke haben mehrfach ihren Standort gewechselt; sie wanderten von einem Altartisch zum nächsten und gerieten in Depots und Abstellkammern in Vergessenheit. Der Vortrag will auf Spurensuche gehen und versuchen, einen Einblick in die bewegte Geschichte der Altarausstattung des Naumburger Doms zu geben.

Oliver Ritter, Jahrgang 1982, ist Kunsthistoriker aus Halle an der Saale. Er arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kunstgeschichte des Mittelalters an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und war einer der Bearbeiter des voraussichtlich 2016 erscheinenden neuen Inventarbandes zum Naumburger Dom.



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Der Naumburger Dom in historischen Fotografien

Datum: 4. Februar 2016, 19.00 Uhr

Ort: Seminarraum der Klausur am Naumburger Dom

Referent: Matthias Ludwig (Naumburg)

Anlass des Vortrages ist die Beschäftigung mit der altehrwürdigen Naumburger Kathedrale im Rahmen des wissenschaftlichen Inventarprojekts zum Naumburger Dom, das am Europäischen Romanikzentrum angebunden ist. Während des Inventarprojekts galt es auch, die große Fülle an historischen Ansichten, Grafiken und Fotografien vom Dom und seinen Klausuranlagen zu sichten und auszuwerten. Ein besonderer Quellenschatz besteht in einer seltenen Sammlung von Fotografien von Gustav Schultze aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die zu den frühesten Beispielen der Sakralarchitekturfotografie zählen. Spektakuläre und der Öffentlichkeit teils unbekannte Ansichten und Fotografien geben einen Einblick in Veränderungen im Innern der Domkirche, aber auch des Außenbaus und weiterer Gebäude wie der Marienkirche, der Domschule und einzelnen Domkurien.

Matthias Ludwig, Jahrgang 1977, ist Mittelalter- und Landeshistoriker. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Vereinigten Domstiftern und Leiter des Domstiftsarchivs und der Domstiftsbibliothek Naumburg.



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Der Naumburger Dom in historischen Fotografien

Datum: 21. Januar 2016, 19.00 Uhr

Ort: Seminarraum der Klausur am Naumburger Dom

Referent: Matthias Ludwig (Naumburg)



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Paul Schultze-Naumburg und das Konzept der Kulturlandschaft.

Datum: 10. Dezember 2015, 19.30 Uhr

Ort: Marienkirche Naumburger Dom

Referent: Steffen de Rudder (Weimar)

Paul Schultze-Naumburg, 1869 in Almrich bei Naumburg geboren, 1949 in Jena etwas elendig gestorben, steht in einer unauflösbaren Verbindung mit der Stadt Naumburg und der sie umgebenden Landschaft. Er hat die Stadt in seinen Namen aufgenommen und der Landschaft einen Rahmen gegeben, der bis heute ihr Bild bestimmt. Es ist nahezu unmöglich, auf die romantische, liebliche, zuweilen dramatische Landschaft von Saale und Ilm zu sehen, ohne dies durch die Brille Schultze-Naumburgs zu tun.

Wie kein anderer vor und nach ihm hat er sie beschrieben, dokumentiert und erkannt. Auf der Allianz zwischen Autor und Landschaft liegt dabei kein Segen. Sie ist so eng wie problematisch, denn Schultze-Naumburg war ein Nationalsozialist ersten Ranges, der nur deshalb nicht weiter schuldig wurde, weil ihn das Regime rechtzeitig verstieß.

Schultze-Naumburgs große Qualität war seine Beobachtungsgabe, seine besondere Fähigkeit, die vom Menschen geformte Umwelt als Bild zu lesen und als kulturelles Phänomen zu erklären. Er tat dies in unzähligen Publikationen, in denen er einem breiten Publikum die Schönheit der Landschaft und der in sie eingebetteten Städte vor Augen führte und ebenso eindringlich vor ihrer Zerstörung warnte. So geht die Idee der Kulturlandschaft, wie sie beispielsweise bei den Welterbestätten der UNESCO zur Geltung kommt, zurück auf Schultze-Naumburg.

Die Beschäftigung mit seinem Werk ist gerade in seiner Ambivalenz erhellend; ist in ihm doch die Geschichte der Landschaft untrennbar mit der Geschichte des Nationalsozialismus verbunden.

Vertr. Prof. Dr.-Ing. Steffen de Rudder ist seit 2013 Vertretungsprofessor für Städtebau und Entwerfen an der Bauhaus-Universität Weimar. Er war zuvor Gastprofessor für Architektur- und Stadtbaugeschichte an der Hochschule Anhalt, von 2011 bis 2015 Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Erfurt und 2010 als DAAD-Fellow an der Academie van Bouwkunst in Amsterdam. 2006 wurde er an der Bauhaus-Universität Weimar mit einer Arbeit über die Berliner Kongresshalle und die Architektur des Kalten Krieges promoviert. Von 1999 bis 2003 und von 2004 bis 2012 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Stadtarchitektur in Weimar und 1996 Lehrbeauftragter am Kunsthistorischen Institut der Humboldt- Universität in Berlin. Von 1990 bis 2002 arbeitete er in Berlin als Architekt in den Bereichen Denkmalpflege, Sanierung und Bauleitplanung. Er veröffentlicht zu Themen der Architekturgeschichte der Moderne und Stadtentwicklungsgeschichte, verfasst Beiträge für Zeitungen und Radio und war an zahlreichen Wettbewerben als Preisrichter und Fachgutachter beteiligt.



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Kulturlandschaft im Wandel

Datum: 19. November 2015, 19.30 Uhr

Ort: Seminarraum in der Domklausur am Naumburger Dom

Referentin: Sabine Meinel (Halle)

In den letzten Jahren ist die Landschaft um Naumburg für den UNESCO-Welterbeantrag „Der Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut“ aufwändig untersucht worden. So wurde u.a. ein Kulturlandschaftskataster angefertigt, das allein für die Region Bad Kösen / Flemmingen knapp 1.000 Elemente verzeichnet, von denen ca. ein Viertel dem Mittelalter zugeordnet werden können. Eine überraschende Dichte, die neben den bekannten und weithin sichtbaren Baudenkmalen auch Objekte wie Wälder, Äcker, Triften, Kirchsteige, Altstraßen, Hohlen und Weinberge umfasst. Damit hat sich die Kenntnis dieser historischen Kulturlandschaft stark erweitert. Doch Landschaften unterliegen der ständigen Veränderung. Eine Herausforderung für alle, die an diesen Prozessen beteiligt sind. Der Vortrag versteht sich als ein Plädoyer für den behutsamen Umgang mit Landschaft als Träger geschichtlicher Überlieferung.

Die Kunsthistorikern und Denkmalpflegerin Dr. Sabine Meinel ist Referatsleiterin im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.



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Ein hochehrbares und sehr süßes Instrument.
Kleine Kulturgeschichte der Viola da gamba

Datum: 22. Oktober 2015, 19.30 Uhr

Ort: Ägidienkapelle am Dom (Domplatz 8)

Referent: Thomas Fritzsch (Viola da gamba, Freyburg)

"Ja Döbereiner, wie kann man jetzt so runter kommen und wieder Gamba spielen", fragte 1905 ein Violoncellokollege den Cellisten und Gambisten Christian Döbereiner, der sich für die Wiederbelebung alter Instrumente einsetzte. Mehr als ein Jahrhundert später hat die Viola da gamba wiederum – wie einst im England der Shakespeare-Zeit – einen geachteten Platz im Konzertleben und im privaten Musizieren eingenommen, und ihr Klang zieht Menschen in der ganzen Welt in ihren Bann. Thomas Fritzsch, dessen Name in der Musikwelt zu einem Synonym für dieses Musikinstrument geworden ist, erzählt aus sieben Jahrhunderten Kulturgeschichte der Viola da gamba und von deren Protagonisten. Er wird von spannenden Notenentdeckungen berichten, von Versteigerungen wertvoller Musikalien und wie es ihm gelang, Zugang zur Privatbibliothek einer Königlichen Hoheit zu finden. Und schließlich wird Thomas Fritzsch auf wertvollen Originalinstrumenten auch den Klang versunkener Zeiten hörbar machen.

Thomas Fritzsch zählt zu den weltweit renommierten und gefeierten Gambisten. Robert Marshall lobte ihn als den Casals der Gambe. Mit Leidenschaft und brillantem historischen Wissen sucht und entdeckt Thomas Fritzsch verschollene und vergessene Werke der Gambenliteratur, die zur Spätblütezeit des Instrumentes an der Schwelle zum 19. Jahrhundert entstanden. In Würdigung seines weltweit ausstrahlenden Engagements für Johann Sebastian Bach und Carl Friedrich Abel wurde Thomas Fritzsch im November 2014 zum Kulturbotschafter der Stadt Köthen ernannt.



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Auf der Suche nach dem Meister von Burgscheidungen
Neue Forschungen zur Renaissanceskulptur in der Saale-Unstrut-Region

Datum: 17. September 2015, 19.30 Uhr

Ort: Seminarraum in der Domklausur am Naumburger Dom

Referent: Sebastian Schulze (Halle)

Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die außergewöhnlichen Bildhauerarbeiten des späten 16. Jahrhunderts in der Kirche von Burgscheidungen. Die Suche nach der künstlerischen Tradition und der bürgerlichen Identität des „Meisters von Burgscheidungen“, Christoffel Weber, führt zur umfassenderen Betrachtung der Renaissance-Skulptur in der Saale-Unstrut-Region. In dem Vortrag werden dazu neue Beobachtungen vorgestellt und offene Fragestellungen erörtert.

Der Referent promovierte 2012 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Fach Kunstgeschichte mit der Arbeit „Mitteldeutsche Bildhauer der Renaissance und des Frühbarock“ (erschienen im Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2014). Nach einem Volontariat bei der Museumslandschaft Hessen-Kassel ist er seit 2014 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas der MLU-Halle tätig.



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Von Finnland bis Madeira – Mittelalterliche Metallgrabplatten als Handelsware und Kulturgut

Datum: 18. Juni 2015, 19.30 Uhr

Ort: Moritzkirche, Naumburg

Referent: Klaus Krüger (Halle)

Anlässlich der Ausstellung „Linien zwischen Erde und Himmel. Abriebe europäischer Grabplatten des 13. bis 17. Jahrhunderts“ hält deren Kurator, Professor Klaus Krüger aus Halle, einen Vortrag über flämische Metallgrabplatten, die im 14. und 15. Jahrhundert in beinahe ganz Westeuropa Verbreitung gefunden haben. Abnehmer waren die skandinavischen, norddeutschen und polnischen Küstengebiete, England und Schottland, Frankreich und die Iberische Halbinsel. Mit Hilfe der Stilanalyse lassen sich so Messinggrabplatten von Finnland bis Madeira identifizieren, mit räumlichen Schwerpunkten in Flandern, Norddeutschland und Großbritannien. Auf den Handelswegen der Hanse verbreitet, waren sie seinerzeit außerordentlich kostbar; Mode, Prestige und standesgemäße Selbstdarstellung kamen hier zum Tragen. Erhalten sind auf dem Kontinent etwa 200 Platten, davon allein 70 in Belgien. Neben den Figuren der Verstorbenen selbst weisen sie ein umfangreiches ikonographisches Programm auf, das nicht nur biblische Personen und Szenen, sondern auch literarische Anspielungen auf höfische Themen enthält. Die Beschäftigung mit diesen Objekten kann nicht nur Werkstattzusammenhänge und damit wirtschaftliche und künstlerische Beziehungen und Wanderungen nachvollziehen, sondern uns auch einen kleinen Einblick in die uns so fremde Vorstellungswelt des späten Mittelalters geben.

Prof. Dr. Klaus Krüger, Jahrgang 1960, ist Mediävist und leitet seit 2002 die Abteilung für Historische Hilfswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

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Die Neuenburg – erhaben auf dem Berggipfel oder vom Walde verborgen

Datum: 21. Mai 2015, 19.30 Uhr

Ort: Seminarraum in der Domklausur am Naumburger Dom

Referenten: Torsten Pietsch & Reinhard Schmitt (Halle)

Wer in den vergangenen Jahren aufmerksam seinen Blick aus dem Unstruttal hinauf zur Neuenburg gerichtet hat und immer wieder richtet, wird feststellen, dass die Burgmauern auf der Süd- und Südostseite zunehmend durch größeren Bewuchs verdeckt werden. Vom Hotel „Edelacker“ aus sind nicht nur die nördlichen Ringmauern zugewachsen, sondern teilweise schon das Mauerwerk der Galerieflügel. Alle aussagefähigen historischen Ansichten der Burg seit 1627 zeigen den Berg kahl, allenfalls auf der Südseite im unteren Bereich mit Weinstöcken bepflanzt. Die sich hinaufwindende Straße lässt sich seit 1751 baumbestanden nachweisen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts, vor allem aber seit etwa 1910/20 nahm der Bewuchs auffällig zu. Um die Burgmauern, v. a. auf der Nordseite, wieder frei sichtbar zu machen, erfolgten in den 1970er Jahren umfangreiche Freilegungen. Inzwischen, also nach ca. 40 Jahren, ist der damalige verwachsene Zustand wieder erreicht. Im Vortrag wird einerseits die anhand von Bildquellen nachvollziehbare Wandlung vom kahlen zum bewaldeten Burgberg vorgestellt; andererseits werden die gesetzlichen Möglichkeiten zur behutsamen, korrigierenden Vorgehensweise erläutert: Wenn die Verantwortlichen diese engagiert und damit zukunftsorientiert aufgreifen, wird die Neuenburg als bedeutsames Denkmal an der „Straße der Romanik“ und hoffentlich alsbald im „Welterbegebiet“ weiterhin vom Tal aus wahrnehmbar sein.

Torsten Pietsch ist diplomierter Agraringenieur. Als Mitarbeiter des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt im Referat Naturschutz und Landschaftspflege ist er ein ausgewiesener Experte für den Naturraum der Saale-Unstrut-Region, der mit zahlreichen Fachbeiträgen zum Thema Natur- und Landschaftsschutz aufgetreten ist.

Reinhard Schmitt ist diplomierter Archäologe und Bauhistoriker am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Seit mehr als 35 Jahren liegt sein Arbeitsschwerpunkt in der bauhistorischen Erforschung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Sakral- und Profanbauten. Von ihm sind zahlreiche Publikationen zu Burgen und Klöstern Sachsen-Anhalts erschienen.

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Historismus – Jugendstil – Heimatschutz: Architektur und Ausstattung Naumburger Bürgervillen um 1900

Achtung, dieser Vortrag findet nicht statt! Der Termin wird am 7. Mai, 19.30 Uhr nachgeholt. Wir bitten um Entschuldigung.

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Historismus – Jugendstil – Heimatschutz: Architektur und Ausstattung Naumburger Bürgervillen um 1900

Datum: 23. April 2015, 19.30 Uhr

Ort: Seminarraum in der Domklausur am Naumburger Dom

Referent: Guido Siebert (Naumburg)

Die Villen im Naumburger Bürgergartenviertel demonstrieren mit ihrer Architektur und Ausstattung den künstlerischen Umbruch der Zeit um 1900, als der Historizismus zurückgelassen und mit dem Jugendstil, das Neue, der „Stil der Jugend“, aufgegriffen wurde. Nur wenige Stadtviertel in Deutschland zeigen einen ähnlich zusammenhängenden und doch stilgeschichtlich sich wie in einem Lehrbuch präsentierenden Ausdruck künstlerischer Entwicklung.

Der Vortrag schließt sich an eine Reihe von Stadtspaziergängen durch das Bürgergartenviertel an, die der Referent für den Verein Kunst in Naumburg e.V. konzipierte und durchführte. Aus einer geplanten Einzelveranstaltung wurde aufgrund großer Nachfrage eine Reihe, die der Verein als Vorbereitung zur Ausstellung „Naumburg und die Düsseldorfer Malerschule 1819-1918“ (2. Mai – 30. August 2015) anbot. Die Ausstellung zeigt neben Gemälden und Zeichnungen auch die Geschichte des Schwurgerichts als Initialbau für das Bürgergartenviertel. Dabei richtet sich das Interesse auch auf andere Stadtteile Naumburgs. Sie bieten künstlerisch und architektonisch prächtige Villen, die es wert sind, als herausragendes Kulturgut Naumburgs beachtet zu werden. Von ihren Besitzern in den letzten Jahren oft liebevoll saniert oder noch im Dornröschenschlaf verharrend offenbart sich in ihnen die bürgerliche Pracht des 19. Jahrhunderts außerhalb der Innenstadt. sie gehört inzwischen fest zum Stadtbild und trägt entsc heidend zur wohnlichen Attraktivität Naumburgs bei.

Vorgestellt werden die reichen Ausstattungen u. a. mit Glasmalerei und die unterschiedlichen Architekturstile der Bürgervillen, die vom Spätklassizismus über Historismus und Jugendstil bis zum sogenannten Heimatschutzstil am Beginn des 20. Jahrhunderts führen.

Guido Siebert ist Kunsthistoriker und arbeitet derzeit als Kurator und Projektleiter an der Vorbereitung der Ausstellung „Brudermord im Schwurgericht – Naumburg und die Düsseldorfer Malerschule (1819-1918)“, 2. Mai bis 30. August, im ehemaligen Königlich-Preußischen Schwurgericht am Salztor.

Exkursion 2015

exkursionsplan 2015

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Die Inventarisierung des Naumburger Doms. Ein Forschungsprojekt des Europäischen Romanik Zentrums

Datum: 19. März 2015, 19.30 Uhr

Ort: Seminarraum in der Domklausur am Naumburger Dom

Referenten: Heiko Brandl (Halle), Matthias Ludwig (Naumburg) und Oliver Ritter (Halle)

Wissenschaftliche Inventare gehören zu den wichtigsten Arbeitsinstrumenten in der Erforschung von sakralen Großbauten. In den letzten Jahrzehnten wurden deutschlandweit verschiedene Inventarisierungsprojekte zu bedeutenden Domkirchen ins Leben gerufen, die bereits zu einigen aufwändigen Publikationen geführt haben. Dom in Naumburg - Südwestturm (24. Mai 1893) Im Rahmen der Aktivitäten und Vorarbeiten des laufenden UNESCO-Weltkulturerbeantrags „Der Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut“ bestand der Wunsch, auch das Alt-Inventar der Naumburger Domkirche von Heinrich Bergner aus dem Jahr 1903 durch eine vollständige Neuerfassung des Bauensembles zu ersetzen. Das angestrebte Werk orientiert sich an der klassischen Ordnung der Großinventare, kann im Einzelnen aber darüber hinausgehen. Neben der Funktion als baukundliches Quellen- und Nachschlagewerk versteht sich das Inventar auch als Dom-Monographie, welche die Befunde und Fakten zusammenstellt, kritisch analysiert und den derzeitigen Kenntnisstand umfassend wissenschaftlich aufarbeitet. Der Vortrag bietet Einblicke in die Arbeitsmethoden der Wissenschaftler und stellt die Hintergründe und erste Ergebnisse des Projekts vor.

Dr. Heiko Brandl, ist Kunsthistoriker am Europäischen Romanik Zentrum Merseburg. Gemeinsam mit Christian Forster hat er 2011 die beiden Bände zum Magdeburger Dominventar vorgelegt. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Skulptur der Gotik.

Matthias Ludwig, M.A., ist Mittelalter- und Landeshistoriker. Er ist Leiter des Domstiftsarchivs und der Domstiftsbibliothek Naumburg sowie Mitarbeiter am Europäischen Romanik Zentrum Merseburg. Das Thema seiner Dissertation ist das Naumburger Domkapitel.

Oliver Ritter, M.A., ist Kunsthistoriker an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie Mitarbeiter am Europäischen Romanik Zentrum Merseburg. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Sakralarchitektur des Früh- und Hochmittelalters sowie der gotischen Retabel. Das Thema seiner Dissertation ist die Krypta des Naumburger Doms.

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Wozu dienten Westlettner und Westchor im Naumburger Dom des 13. Jahrhunderts?
Indizien für eine liturgische Nutzung

Datum: 26. Februar 2015, 19.30 Uhr

Ort: Seminarraum in der Domklausur am Naumburger Dom

Referent: Peter Bömer (Greven)

Der Westlettner im Naumburger Dom

Auch nach der Landesausstellung Sachsen-Anhalt zum Naumburger Meister von 2011 reißt die Folge kontroverser Ansichten über die Nutzung und Bedeutung des Westlettners im Kontext des dahinter liegenden Westchores nicht ab (A. Odenthal 2012; G. Straehle 2009 und Vortrag Dez. 2013). Aus seiner seit März 2014 publizierten Doktorarbeit über den Westlettner möchte der Referent Gründe anführen, die eine liturgische Nutzung des Westchores mit dem ihn abschließenden Lettner nahe legen. Der Passionszyklus am Westlettner mit seiner einzigartigen Kreuzigungsgruppe im Portal für den feierlichen Introitus oder die chorseitige, architektonisch höchst anspruchsvolle Anlage aus Spindeltreppen und Lettnerbühne für das Zeremoniell der Evangelienlesung sind Teile eines Gesamtkonzeptes, das die theologischen Vorstellungen des Naumburger Meisters und seiner geistlichen Auftraggeber spiegelt und damit, angesichts der immensen Ausstattungskosten, nur vor dem Hintergrund einer grundlegend religiös geprägten Weltsicht vorstellbar erscheint.

Peter Bömer, Jahrgang 1961, studierte Kunstgeschichte, Volkskunde und Musikwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universtität Münster. Als Teilnehmer des interdisziplinär angelegten Naumburg Kollegs erforschte er zwischen Juli 2009 und Dezember 2012 den Westlettner des Naumburger Doms und wurde im Frühjahr 2014 im Fach Kunstgeschichte bei Prof. Dr. Joachim Poeschke promoviert.

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Der steinerne Garten des Naumburger Meisters und die Pflanzenkapitelle der Gotik

Datum: 22. Januar 2015, 19.30 Uhr

Ort: Seminarraum in der Domklausur am Naumburger Dom

Referent: Frank Richter (Dresden)

Die Pflanzenkapitelle des Naumburger Domes sind ein Phänomen. Sie sind von einer verblüffenden Naturtreue, die zu einer botanischen Bestimmung förmlich herausfordert. Aber sie stehen auch im Schatten der berühmten Stifterfiguren, dem Passionsfries des Lettners und der Kreuzigungsgruppe. Obwohl es frühe Versuche gab, wenigstens einige Kapitelle zu bestimmen, gibt es bis heute keine Gesamtdarstellung aller Kapitelle in Naumburg mit einer botanischen Zuordnung der dargestellten Pflanzen. Wohl am weitesten ging man anlässlich der Ausstellung zum Naumburger Meister 2011. Es wurden einige charakteristische Kapitelle herausgegriffen und die entsprechenden Pflanzen im sehr anschaulich gestalteten Domgarten angepflanzt. Trotzdem fehlt noch immer die Gesamtdarstellung. Der Vortrag widmet sich den Kapitellen, die der Werkstatt des Naumburger Meisters zugeordnet werden. Um die Wurzeln des Naumburger Meisters und die Spuren seines Wirkens kennen zu lernen, wurden die französischen Kathedralen in Reims, Noyon und Metz, sowie der Mainzer Dom und die Templerkapelle in Iben aufgesucht. Aus der Fülle des Materials werden die wichtigsten Ergebnisse vorgestellt. Alle Kapitelle in Naumburg und Meißen wurden botanisch bestimmt und bezüglich ihrer „Handschrift“ zueinander in Beziehung gesetzt. Anhand spezieller Beispiele werden vergleichende Analysen gemacht. Es gibt jedoch einige offene Fragen. Auch das Suchen nach einem ikonographischen Programm zu Auswahl und Anordnung der Kapitelle brachte kein Ergebnis. Trotzdem und vielleicht gerade deshalb führt der Vortrag hinein in eine ungemein spannende Thematik und zeigt, dass weiteres Forschen angebracht ist.

Frank Richter, Jahrgang 1945, war bis zu seiner Pensionierung Mitarbeiter im Nationalpark Sächsische Schweiz. Er ist Fotograf und Autor mehrerer Fotobildbände und verfasste Bücher über Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus sowie eine Monographie über die Künstler der Sächsischen Schweiz.

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Johann Georg Rauhe und die Erfindung des Naumburger Hussiten-Kirschfestes

Datum: 11. Dezember 2014, 19.30 Uhr

Ort: Marienkirche am Naumburger Dom

Referent: Matthias Ludwig (Naumburg)

Das Hussiten-Kirschfest bildet alljährlich den Höhepunkt der Naumburger Festkultur. Ein buntes Angebot aus historischem Umzug, der Peter-Pauls-Messe, dem Hussitenlager an der Stadtmauer und dem beliebten Festzeltgelage auf der Vogelwiese zieht immer wieder aufs Neue Zehntausende Besucher an. Und das, obwohl den meisten Akteuren und Gästen bewusst sein dürfte, dass die wesentlichen Kerninhalte des berühmten Festes auf die Erfindungsgabe eines schon vor 200 Jahren als „Lügenchronist“ in Misskredit geratenen Lehrers zurückgehen. Mit seinem 1782 erschienen Werk: „Die Schwachheit über die Stärke, oder gründliche Nachricht von dem 1432 vor Naumburg sich gelagerten Heere der Hussiten unter ihrem Heerführer Procopio, und dem daher entstandenen Stadt Naumburgischen Schul- und Kirschfeste; alles aus sehr raren und seltenen Urkunden zusammengetragen“ verknüpfte der Garnisonsschullehrer Johann Georg Rauhe (1739-1791) eine in Naumburg lange bestehende Festtradition mit einem fiktivem Ereignis aus der Zeit der mittelalterlichen Hussitenkriege: der Belagerung Naumburgs. Möglicherweise verdankt das Naumburg Fest einen wesentlichen Teil seines Erfolges dem Fälschungswerk Rauhes, dessen dramatischer Stoff um die wundersame Rettung Naumburgs durch den Auszug der unschuldigen Schulkinder eine überregionale Popularisierung erfuhr.
Doch welches sind die historischen Wurzeln des Naumburger Festes und woraus schöpfte der fabulierfreudige „Lügenchronist“ seine Inspiration? Diesen und weiteren Fragen will der letzte Beitrag in der diesjährigen Veranstaltungsreihe nachgehen.

Saale-Unstrut Jahrbuch 2015

Matthias Ludwig, Jahrgang 1977, ist Mittelalter- und Landeshistoriker. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Vereinigten Domstiftern und betreut in leitender Funktion die historischen Bestände von Domstiftsarchiv und Domstiftsbibliothek Naumburg.

Der Vortrag bietet zugleich die Gelegenheit zur Vorstellung des neuen Saale-Unstrut-Jahrbuches für das Jahr 2015.


Lesen Sie hier das Inhaltsverzeichnis des neuen Jahrbuches