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Nächster Vortrag

Bischofswahlen im 14. Jahrhundert – Kontingenz oder Management des Risikos

Datum: Freitag, 22.02.2019, 18.30 Uhr

Ort: Naumburg, Oberlandesgericht, Domplatz 10, Saal 525

Referent: Gerhard Fouquet (Kiel)

Die Neuordnung der Macht in Bistümern nach dem Tod eines Bischofs war stets prekär. Denn in diesen Institutionen komplexer kollegialer Herrschaft im konstitutionellen Zusammenspiel von Domkapiteln und ihren in die feudale Reichsverfassung eingebundenen bischöflich-reichsfürstlichen Oberhäuptern standen im Spätmittelalter den Wahlrechten der Domkapitel eine Reihe von Vulnerabilitäten entgegen. Denn es war einerseits mit kapitelsinternen Konflikten zwischen rivalisierenden Faktionen und entsprechenden schismatischen Ergebnissen bei Wahlen zu rechnen, denen Appellationen und Postulationen an die päpstliche Kurie von Bewerbern oder qualifizierten Minderheiten der Wähler folgen konnten. Auszuschließen waren andererseits keineswegs äußere akteurszentrierte Entscheidungen, unerwünschte Einflüsse von König und Papst, von benachbarten Dynasten und Fürsten auf künftig mögliche Szenarien der Bistumsbesetzung. Der Vortrag behandelt an wenigen exemplarischen Fällen die Gefährdungen der Bischofswahlen vornehmlich in Naumburg, Würzburg und Bamberg, wie sie sich durch Eingriffe des Avignonesischen Papsttums und des römisch-deutschen Königtums in den Zeiten Ludwigs des Bayern und Karls IV. (1314-1378) ergeben konnten.

Senior Prof. Dr. phil. Dr. h. c. Gerhard Fouquet, Jahrgang 1952, war von 2008 bis 2014 Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er ist Leiter des Projektes „Residenzstädte im Alten Reich (1300–1800). Urbanität im integrativen und konkurrierenden Beziehungsgefüge von Herrschaft und Gemeinde“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und beschäftigt sich intensiv mit der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Spätmittelalters (13. bis 16. Jahrhundert).

Vortrag

Ein Tag in der Kathedrale.
Leben und Wirken am mittelalterlichen Naumburger Dom

Datum: Donnerstag, 31.01.2019, 19.00 Uhr

Ort: Seminarraum der Domklausur,Naumburg

Referent: Matthias Ludwig (Naumburg)

Der Naumburger Dom gehört nicht erst seit der Anerkennung als Welterbe der Unesco im Sommer 2018 zu den bekanntesten Kirchen im deutschsprachigen Raum. In seiner über 150jährigen Forschungsgeschichte ist eine kaum noch zu überschauende Zahl an Publikationen zu unterschiedlichen Themen erschienen. Bis heute stehen jedoch vor allem architektonische und künstlerische Aspekte im Fokus der Beschäftigung.
Doch wie sah eigentlich der Alltag an der Naumburger Kathedrale im Mittelalter aus? Welche unterschiedlichen Personengruppen hielten das geistliche Zentrum des Bistums am Laufen und wie war ihr Tag strukturiert? Und was konkret spielte sich im Dom und seiner Klausur ab?
Auf Grundlage ausgewählter mittelalterlicher Quellen aus dem Domstiftsarchiv soll der Versuch unternommen werden, einen Tag im mittelalterlichen Naumburger Dom nachzuzeichnen.

Matthias Ludwig, Jahrgang 1977, ist Mittelalter- und Landeshistoriker. Er ist Leiter des Domstiftsarchivs und der Domstiftsbibliothek Naumburg.